Thursday, November 27, 2008

Kleister - Teil B: Gummierungen

Es hat mich gefreut zu hören, dass meine Versuche auf Interesse auf eurer Seite gestoßen sind!
Heute geht es, wie der Titel schon verrät, um Gummierungen. Die Information, Kartoffelkleister sei historisch als Gummierung benutzt worden, hat sich dank eines Literaturhinweises (danke, vuscor!) als Gerücht herausgestellt: Jean Pütz hat die 306. Folge der Hobbythek dem Thema Klebstoff gewidmet. Einen Artikel dazu, kann man auf seiner Homepage herunterladen, und da heißt es:
"Winzig kleine Papierschnipselchen sorgten im Mai des Jahres 1860 für eine riesengroße Sensation. Die britische Post gab die ersten selbstklebenden Briefmarken heraus. Der Klebstoff bestand aus einem fein abgestimmten Gemisch aus Zuckermelasse und Kartoffelstärke."
Und weiter unten löst sich das Gerücht auf, Kartoffelstärke würde Dextrin enthalten:
"Leider können Sie die für unsere Klebstoffe benötigte Stärke nicht einfach in Lebensmittelgeschäften kaufen. Die dort erhältlichen Kartoffelstärken sind einfach ungeeignet. Die in ihnen enthaltenen Moleküle ist offenbar so groß, dass sie zur Ausbildung hochviskoser, viel zu zäher Kleister neigen, die selbst mit dem technologischen Rüstzeug eines gut ausgestatteten Hobby-Klebstoffkochs einfach nicht mehr zu meistern sind. Daher suchten wir nach einem einfach zu handhabenden Rohstoff und fanden ihn in einem traditionellen Produkt, dem 'Röstgummi'.
Sein Name deutet auf den Herstellungsprozess hin, denn man kann ihn durch Rösten, also durch trockenes Erhitzen, von Stärke gewinnen. Auf Etiketten wird Röstgummi meist unter seiner moderneren Bezeichnung 'Dextrin' oder als 'modifizierte Stärke' geführt. Nun ist es am heimischen Herd schwierig, Dextrine in einer gewünschten Qualität zu erzeugen, denn die Bedingungen im Kochtopf sind zu unkontrolliert."
In der Tat hatte sich mein Kartoffelkleister ja als ziemlich zäh herausgestellt. Mit dieser Info von Jean Pütz verfliegt also meine Sorge, ich könne kein Kartoffelkleisterpapier mehr verwenden, weil das eine klebrige Angelegenheit bleibt. Andererseits macht das auch deutlich, dass meine Hoffnung, ich könne Kleister als Gummierung benutzen, wohl etwas zu optimistisch war. Das passt gut zu den Ergebissen meiner Experimente mit Kleistergummierungen, die ich heute vorstellen will.

Mein Experiment: 1. Versuch
Ich habe gleich nachdem ich die Kleister gekocht habe, auf 7 Etiketten auf der Rückseite jeweils einen Kleister verstrichen und ihn trocknen lassen.

Auf den Etiketten stehen jeweils nur die Nummern, also hier nochmal die Liste:
1= Kartoffelstärke
2=Weizenstärke
3=Maisstärke
4=Reisstärke
5=Taiocastärke
6=Weizenmehl
7=Buchweizenmehl.

Am nächsten Morgen (das war gestern) habe ich sie dann alle angefeuchtet und aufgeklebt. - Das Foto ist oben zu sehen. Ich hatte, wie bereits erwähnt erwartet, dass Kartoffelstärke am besten und Buchweizenmehl gar nicht funktionieren würde, aber das Etikett 1 lies sich schon am schwersten überhaupt aufkleben und fiel dann schnell ab. Also habe ich ein weiteres Etikett mit Kartoffelkleister bestrichen, getrocknet, aufgeklebt- und es fiel ab.

Abends habe ich dann zuerst nur das Trägerpapier bewegt, und wie gesagt, 1 fällt ab, 2, 3, 4 und 7 haben sich leicht gelöst.
Dann habe ich sie mit der Hand einzeln abgezogen: 2, 3 und 7 ließen sich sehr leicht lösen. 5 ging relativ schwierig ab und hat wie auch 4 und 6 Teile des Papiers auf das es aufgeklebt war, abgerissen.

Weil mich das Ergebnis so verblüfft hat, habe ich es gleich nochmal wiederholt und besser dokumentiert:

Mein Experiment: 2. VersuchSchritt 1: Etiketten beschriften und mit Kleister bestreichen. Tocknen lassen.
Schritt 2: Nachdem der Kleister trocken ist, die Etiketten wieder befeuchten und aufkleben. Dabei habe ich diesmal noch sorgfältiger als beim ersten Mal darauf geachtet, die Schnipsel nicht abzulecken (also nichts von dem Kleister wegzunehmen), sondern sie nur zu befeuchten. Außerdem habe ich dann ein Stück Finnpapper darübergelegt und mit einem Gewicht beschwert. Das Ganze ist über Nacht getrocknet und heute morgen habe ich sie mir dann vorgenommen:Schritt 3: Wieder habe ich als erstes das Trägerpapier bewegt, um zu testen, wie fest die Etiketten sitzen.
Mein Mann war so nett, das zu filmen:

Etikett 1 (Kartoffel) hat sich wie zuvor sehr schnell komplett gelöst. Beim Rest waren nicht sehr große Unterschiede zu bemerken. Vielleicht sitzt wieder 5 am festesten?
Schritt 4: Jetzt habe ich die Etiketten abgerissen, um zu testen, wie schwierig das ist:

Dabei habe ich keine wesentlichen Unterschiede bemerkt. Keines der Etiketten hat so fest gesessen, wie das 5. beim ersten Versuch. 7 war komisch, obwohl es sich leicht lösen ließ, hat es das Trägerpapier sowohl im ersten als auch im zweiten Versuch mitgerissen.

Das Ergebnis: Kartoffelstärke war besonders schlecht als Gummierung geeignet. Der Rest war einfach nur schlecht und Unterschiede waren kaum auszumachen. Da ich wirklich an Gummierung interessiert bin (weil ich gerne weiter solche Etiketten machen würde), werde ich wohl entweder was künstliches kaufen, oder evtl. mit Zusätzen von Zucker experimentieren. Einfach so, funktioniert das jedenfalls schlecht bis gar nicht.

Im nächsten Teil dieser Serie wird es dann also um Kleisterpapier gehen. Bis dahin: Viel Spaß beim selbst Experimentieren!


First of all: Happy thanksgiving to all readers who celebrate it today! The German version "Erntedank" was at the beginning of October, but I am going to celebrate it with some American friends today. One of them will come over later in the afternoon and will cook duck or goose, I don't know yet which. I am really grateful that he is doing that, because usually I don't prepare meat. My task is to prepare the desert, and I decided to make Sächsischen Pudding which is a steamed sweet pudding with raisins and is finished with a thick chocolate sauce. - I hope they will like it! - Now I gotta run, go shopping for the ingredients, cook, and clean the flat. Therefore only a very short summary today:

Paste is not suitable for gumming without further additives.

O.k., I'll be a bit more elaborate: The experiment went like this: First I covered the backsides of some labels with the different pastes. Then I let it dry. Wet it again, put it on a sheet of paper, let it dry, try to peel it off again. In the videos you can see me testing that. The numbers refer to
1 = potato starch (this was worst),
2 = wheat starch,
3 = corn starch,
4 = rice starch,
5 = tapioca starch (best, but still not satisfactoy),
6 = wheat flour,
7= buckwheat flour,

From the literature that I was hinted to in the meantime (thanks, vuscor) it follows that sugar would be a natural thing to try to add: Mix potato paste and sugar melasse in the right proportion and voilá you get what was used for the first self-adhesive stamps in Britain. - Maybe I'll try that, another time.

In the next post I will share my experiences with what paste I like best for paste paper. - See you then!

1 comment:

Daniela said...

Danke, da hab ich schon wieder was gelernt.. Auf die Idee, Gummierungen selber zu machen, wäre ich nicht gekommen! Ich bin neugierig auf deine weiteren Erfahrungen!